Das Streben nach der gesunden Mitte

In den letzten Jahren beobachte ich mehr und mehr, dass die Differenzierungen abnehmen. Offenbar redet zwar jeder von Freiheit und Selbstbestimmung, aber die Menschen brauchen mehr feste Vorgaben denn je. Es ist entweder

– richtig oder falsch,

– gut oder böse,

– schwarz oder weiß.

Die riesengroße Bandbreite dazwischen will offenbar kaum noch jemand betrachten.

Ist uns die Suche nach den Zwischentönen zu aufwändig geworden, das Abwägen von teils richtigem und unrichtigem zu mühselig?

In der Corona-Debatte wurden die Zweifler schnell zu Schwurblern und Verschwörern und auch in der Politik wird man schnell in eine bestimmte Ecke gestellt. Die Grünen sind entweder die Retter der Welt oder die Zerstörer des Wohlstandes, die AfD ist entweder eine Nazi-Partei oder vertritt völlig harmlos die Interessen seiner Bürger. Niemand ist mehr bereit die einzelne Punkte und Argumente kritisch zu betrachten, Teile auf Sinn und Richtigkeit zu prüfen, anzuerkennen und abzulehnen, ohne den Menschen, die Sache oder die Organisation an sich infrage zu stellen.

Das Gleiche geschieht leider auch im bzw. mit dem eigenen Leben. Richtig oder falsch, alles andere scheint nicht mehr zulässig. Entweder meinen die Leute ihre Dualseele gefunden zu haben oder der Partner ist schuld daran, dass das eigene Leben nicht so toll ist, wie es sein könnte. Entweder strotzt der Body vor Fitness – oder es wird gar nichts gemacht. Entweder wird die Diät erbarmungslos durchgezogen oder alles gegessen, was greifbar ist. Entweder wird fürs Alter vorgesorgt oder gar nichts gespart, entweder Karriere gemacht oder Bürgergeld bezogen, entweder oder …

Die Mitte scheint ausgestorben, in jeder Hinsicht!

Schade, denn die Mitte wird nicht ganz zufällig als “gesunde Mitte” bezeichnet. All die Extreme dienen schließlich nur dem Finden der eigenen gesunden Mitte, wenn wir ein glückliches, erfolgreiches und zufriedenes Leben haben wollen.

Ich habe vieles in meinem Leben sehr bewusst ganz extrem gemacht und kann heute sagen, das Gute liegt immer in der Mitte. Natürlich ist es manchmal hilfreich extrem zu beginnen, um Veränderungen vorzunehmen, Karrieren anzuschieben oder was auch immer gerade dran ist, bei Ihnen. Eine neue Liebe bekommt anfangs ganz automatisch extrem viel Aufmerksamkeit, nichts anderes scheint in dieser Phase von großer Bedeutung. Auch ein neuer Job erfordert anfangs häufig die volle Beachtung und doch relativiert sich alles im Laufe der Zeit wieder, Gott sei Dank. Denn wir können nicht ein Leben lang nur der Arbeit widmen, ohne es mit der Gesundheit, den Beziehungen oder anderem zu bezahlen. Wir können nicht einem einzigen Segment dauerhaft die Aufmerksamkeit schenken, ohne uns um unser Wohlergehen zu bringen, weil wir anderes missachtet haben.

Wir brauchen die Ausgeglichenheit.

Frisch gewordene Vegetarier oder Veganer erfreuen sich oft ein paar Jahre lang wachsender Energie und Gesundheit, bevor ein Mangel diese Wohlfühlphase beendet. Der Körper war froh, dass er den Überfluss abbauen konnte und kommt irgendwann an den Punkt, wo ihm etwas fehlt. Das heißt ja heute nicht mehr, dass Fleisch konsumiert werden muss, aber der Mangel muss mit gezielter Ernährung oder gar Nahrungsergänzungsmitteln beseitigt werden. Das muss dann ebenfalls wieder in eine andere Richtung extrem gemacht werden, letztlich nur damit wieder eine ausgewogene Ernährung gewährleistet und die gesunde Mitte wiederhergestellt ist.

Ich habe eine zeitlang viel zuviel Alkohol und sogar Drogen konsumiert, um den Ausgleich und damit die gesunde Mitte mit einer jahrelangen völligen Abstinenz wiederherstellen zu müssen. Sicher wäre es schlauer gewesen gleich ein gesundes Maß zu finden, aber glücklicherweise kann ich heute sagen, dass ich doch insgesamt immer wieder für ein ausgeglichenes Leben mit allen Bereichen gesorgt habe.

Die stabilen Bereiche haben mich ein Leben lang tragen, wenn ein anderes Segment völlig in Unordnung geriet.

Heute ist das wohl eines meiner Alleinstellungsmerkmale im Coaching und Mentoring, die gesunde Mitte zu finden. Ich differenziere immer (manchmal fast schon zuviel ;-)), betrachte die Einzelheiten sehr genau und sehe nicht nur das zu verbessernde, sondern schaffe auch ein Bewusstsein für all das, was bereits gut ist. Am Ende sorge ich mit meinen Klienten dafür, dass sie ein stabiles und ausgewogenes Leben bekommen und sie die gewünschten Erfolge kreieren, also die Bereiche wirklich nachhaltig verbessert werden, die sie sich wünschen.

Erfolg kann nicht nur in einem Bereich des Lebens stattfinden, echter Erfolg ist immer der Erfolg im ganzen Leben.

Also nehmen Sie den heutigen Brief als eine freundliche Erinnerung daran, dass Sie der Verantwortung für Ihr gelungenes Leben am schnellsten und einfachsten gerecht werden können, wenn Sie die gesunde Mitte zu finden.

 

Mit den besten Wünschen

Ihr Bernd Kiesewetter