Die Reaktionen auf die Zusammenarbeit mit der BILD-Zeitung waren meist negativ. Warum mache ich das und warum ausgerechnet mit diesem Blatt?

Natürlich bin ich selbst skeptisch und sogar ein wenig ängstlich, doch dazu kommen wir gleich…

In erster Linie freue ich mich über die Aufmerksamkeit, um mein Buch „Mission Verantwortung – Weil Erfolg deine Entscheidung ist“ zu präsentieren. Einen besseren Einstieg kann man sich nach Meinung der Experten nicht wünschen, weil sich alle Welt dranhängt und berichten will. Natürlich will jeder Autor, dass sein Buch vielfach verkauft wird und ein Erfolg wird und ja, selbstverständlich geht auch um mein Ego. Aber es geht auch um deutlich mehr als mich selbst! Es geht um eine Message, eine Botschaft. Es geht um meine Mission, die da genauso heißt wie dieses Buch: Verantwortung.

Ich habe in allen Lebensbereichen erfahren, dass die Verantwortung der Schlüssel zu einer wesentlichen Veränderung und letztlich Verbesserung ist. Sie lässt uns Ziele erreichen, Erfolge erzielen und Wünsche Realität werden. Sie lässt uns Unfreiheit überwinden und echte Freiheit erlangen. Sie macht keineswegs ein rosarotes Leben, doch sie lässt uns glücklich sein, trotz aller Herausforderungen des Lebens, und schenkt uns die Möglichkeit eine tiefe Zufriedenheit zu erlangen.

Ich will davon berichten und anderen meine Sicht nicht aufdrängen, aber aufzeigen. Ich weiß nicht, ob sie das Nonplusultra ist, aber ich glaube fest daran, dass sie jedem Menschen helfen kann! Die Opferrolle zu verlassen und eigene Entscheidungen für ein wirklich selbstbestimmtes Leben zu führen ist nichts für Feiglinge und erfordern viele Eigenschaften. Deshalb bin ich angetreten, um mit meinen Geschichten Mut zu verbreiten, die Erfordernisse darzulegen und zu zeigen, dass sich der Aufwand lohnt. Es gibt zwei Seiten und wir können selbst bestimmen.

Aber es ist eben nicht nur das positive Denken oder die Meditation, die uns ein besseres Leben schenkt, sondern unser Denken und Handeln! Wir müssen unsere Verantwortung erkennen, annehmen und tragen. Doch zu guter Letzt müssen wir der Verantwortung auch gerecht werden. Denn wenn wir das schaffen, dann ist Erfolg garantiert!

Das gilt für unsere Gesundheit und Fitness genauso wie für unsere Finanzen, Beziehungen, unseren Beruf und unseren Spaß. Doch es gilt eben nicht nur für alle Bereiche des eigenen Lebens, sondern auch weit darüber hinaus.

Wir können die Verantwortung für andere übernehmen und ihnen Unterstützung bieten, egal ob es unsere eigenen Kinder oder andere Kinder sind, ob es unsere Partner, Familienmitglieder oder Fremde sind, wir können immer einen Beitrag leisten.

Natürlich sind wir nicht in der Lage die Verantwortung für einen anderen Menschen zu übernehmen, aber wir können einen Beitrag leisten. Genauso wie in unserem Dorf, der Gemeinde, Stadt, dem Land oder Kontinent.

Wir können für die Politik, den Umweltschutz oder die Tierwelt Verantwortung übernehmen und dafür sorgen, dass die Welt ein kleines Stückchen besser wird. Selbst wenn es am Ende nicht gelingen würde, so hätten wir doch einer guten Sache gedient.

Ich glaube fest daran, dass wir mehr Verantwortungsbewusstsein und -begeisterung einen riesigen Schritt für unsere planetarische Gemeinschaft leisten können und damit auch immer für uns selbst. Deshalb ist mir die Verbreitung meiner Botschaft so wichtig und die BILD höchstwillkommen.

Doch machen wir uns nichts vor: sie reden mit mir nicht wegen meiner hehren Motive. Sie wollen eine Story, die sich verkaufen lässt! Und ich habe eine Story…

Sie sind keine Informationsgeber mit edlem Gemüt, sondern das immernoch auflagenstärkste Blatt Deutschlands mit fast 10 Millionen Lesern und sie leben von reißerischen Headlines. Auf den ersten Blick enthält die Bild-Zeitung leichte Unterhaltung, Klatsch- und vor allem Skandalberichte. Sie vermittelt dabei eine Weltsicht, die dramatisiert sowie auf Sensation fixiert dargestellt wird. Gleichzeitig ist die Bild-Zeitung wegen ihrer als polemisch empfundenen Art, ihres Hangs zur Vereinfachung und ihrer Sensationslust häufig der Kritik ausgesetzt.

Ich habe eine Story, die gerade in diese Landschaft passt: Der Ex Rad-Profi Jan Ullrich ist am Boden… Krise… Sucht… Die Verbindung zu mir. Cocaethylen. Kokain. Alkohol. Es ist eine meiner persönlich schwersten Krisen des Lebens. Es ist ein Teil meiner Vergangenheit.

Krisen und Schwachstellen zu offenbaren und sogar öffentlich zu machen ist nicht ganz ohne, in der Bild-Zeitung eine völlig neue „Qualität“. Es ist nicht lustig, seine Schwachstellen zu offenbaren. Die Schmerzen waren riesig und sind bei jedem Gespräch wieder da. Wie soll es werden, wenn mehr als eine Million Menschen davon lesen?! Was wird das Boulevardblatt daraus machen? Welche Fehler werden eingebaut, um die Geschichte noch dramatischer darzustellen, als sie ohnehin schon ist? Welche alten Wunden werden aufgerissen und welche neuen hinzugefügt? Auch wenn ich es wohlüberlegt habe: Ich habe keine Ahnung, worauf ich mich da wirklich einlasse.

Meine Frau und meine Kinder haben in dieser Zeit noch viel mehr glitten als ich. Sie konnten es sich zu keiner Zeit aussuchen, sie konnten eigentlich nie etwas tun. Sie waren machtlos. Immer ging es nur um mich. Wie ist es für sie, wenn diese Geschichte mit vielen Einzelheiten öffentlich wird?! Wenn die Freunde und Kollegen plötzlich staunend nachfragen? Oder andere tuschelnd in der Ecke stehen und mit dem Finger auf sie zeigen. Wieder sind sie ausgeliefert. Meiner Geschichte ausgeliefert.

Natürlich habe es mit ihnen besprochen und abgestimmt. Doch genauso wie ich wissen sie nicht was da kommt…

Ich habe das Buch geschrieben, um mehr Verantwortung in die Gesellschaft zu bringen. Ich wollte und will die Sicht auf unsere Pflichten verändern. Ich wünsche mir, dass wir erkennen, das Pflichten und Verantwortung viel positiver sind, als wir zumeist meinen. Weil ich es in meinem Leben erfahren habe, in zig Bereichen!

Ich habe so viele schwere Krisen erlebt, dass selbst mein extrem starkes und sonniges Gemüt mehrfach und erheblich ins Zweifeln geriet. Heute ergibt alles einen Sinn. Die Anzahl und Stärke meiner Probleme haben mich nicht nur noch stärker gemacht, sondern dürfen nun auch Mut und Hoffnung machendes Beispiel sein für andere, um ins Handeln zu kommen.

Die Bewältigung einer Sucht ist eines der schwierigsten und stärksten Aufgaben des Lebens. Ich habe sie deshalb als Beispiel gewählt, weil sie extrem ist. Sie zeigt auf, was möglich ist – im Schlechten wie im Guten. Sie zeigt, dass ein Happy End möglich ist. Sie macht Mut, lässt die eigenen Probleme vielleicht etwas kleiner erscheinen und gibt Kraft zu glauben und die Dinge anzugehen.

Ich habe mich mit diesem Teil meiner Geschichte extrem geöffnet, mich offenbart, nackend gemacht und bin nun ungeschützt – es ist die Einleitung meines Buches. Nun bin ich extrem angreifbar und meine Berater weisen auf das Risiko hin, dass ich als Ex-Junkie abgestempelt werde. Natürlich, das kann passieren. Wer mir persönlich begegnet ist, dem kommt es nicht in den Sinn. Doch es gibt keine persönliche Begegnung in der Bild-Zeitung …

So bin ich also nicht nur froh und guter Dinge, sondern auch etwas ängstlich und in Sorge, was sie aus mir und meiner Geschichte machen werden. Ich habe mich in die Höhle des Löwen begeben. Seien wir gespannt, was daraus wird ….