Klartext von Kiesewetter: Kirche trägt Verantwortung?

Die Verantwortung der Woche

Liebe Kirche,

du hast es hat in es in den letzten Jahrzehnten versäumt deiner Verantwortung voll gerecht zu werden. Bei all den guten Dingen, die du für die Gesellschaft getan und geleistet hat, hast du es versäumt Kritik zuzulassen – und so den Raum geöffnet für die schlimmen Geschehnisse, die über Jahrzehnte verheimlicht und gedeckt wurden.

Die Grundlage für Verantwortung ist sie zu sehen, zu erkennen und ein Bewusstsein für sie zu entwickeln. Leugnen und Wegschauen entziehen diese Grundlage und machen alles Weitere sinn- und nutzlos.

Du hast zu lange weggesehen und die Gräueltaten in den eigenen Reihen geleugnet. Doch wir Menschen kennen es alle: Man versucht so lange wie möglich die Konfrontation und sogar den Anblick seiner Fehler zu vermeiden. Und so hast auch du den Schmerz der eigenen Verfehlungen nicht zulassen wollen. Doch um unserer Verantwortung gerecht werden zu können, müssen wir genau das tun.

Uns gnadenlos zu dem IST bekennen, um uns damit auseinanderzusetzen. Das gilt für den Mensch, das Unternehmen und jede Organisation – also auch für dich, liebe Kirche.

Ich selbst habe dich in meiner Kindheit und Jugend sehr zu schätzen gelernt und auch wenn es schon damals genug zu kritisieren gab, spieltest du später auch für meine Kinder eine Rolle. Für mich warst du ein Ort der Ruhe und Geborgenheit, ein Ort des Nachdenkens und guter Gespräche, weit weg von Oberflächlichkeit. Ein Ort, um echte Werte vermittelt zu bekommen.

Der Wunsch mit Geist und Seele bei dir Zuflucht zu finden, ist bei Groß und Klein nicht weniger geworden. Das zeigt jedes Weihnachtsfest aufs Neue und anstatt dich zu beklagen, dass die Gotteshäuser sonst leer bleiben, solltest du lieber an deiner Attraktivität arbeiten. Denn gerade jetzt und in unsicheren Zeiten wie diesen kannst du einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag leisten. Du kannst zum gemeinschaftlichen Erfolg beitragen, wenn du es verstehst, die alten Wahrheiten und Tugenden mit dem modernen Leben zu verbinden. Dann eröffnest du dir selbst wieder die Möglichkeit erfolgreich zu sein.

Es wäre schade, wenn du durch das Abducken von der Verantwortung deine vielen Vorzüge in den Hintergrund treten lässt und ich bin froh, dass es nun diese Initiative gibt: „Kirche trägt Verantwortung“.

Es ist gut, wenn du jetzt endlich die volle Verantwortung übernimmst.