Die 1-Stunden Regel

Es gibt Menschen, die machen nie Urlaub und behaupten, sie seien nicht entbehrlich.

Manche reden sich ein, sie bräuchten keinen Urlaub. Wieder andere gehen in den Urlaub, sind aber dort auch stets erreichbar und arbeiten.

Dann gibt es noch die ganz andere Kategorie.  Sie leben nur für den Urlaub und ertragen ihren Alltag kaum. Manche gehen auch in den Urlaub und wollen dann mit ihrem Geschäft nichts mehr zu tun haben, wollen nicht gestört werden.

All diese Beispiele gefallen mir persönlich überhaupt nicht.

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir Pausen und Ruhephasen benötigen und sie uns sehr, sehr gut tun. In diesen Phasen müssen wir abschalten und runterfahren, um unseren Kopf von der alltäglichen Kleingeistigkeit zu befreien. Diese Entspannung bringt uns wirklich weiter. WENN wir sie auch so nutzen. Ein Urlaub mit ständiger Erreichbarkeit ist kein Urlaub und wir wissen alle, dort gibt es keine Entspannung. Der Kopf ist ständig bei Vorgängen, Projekten, Kunden, Umsatz und was weiß ich nicht alles.

Das Gegenteil ist für mich als Unternehmer jedoch genauso töricht, nicht erreichbar sein zu wollen. Es sind meine Firmen und Teil meines Lebens und die Geschäfte dürfen auch ohne meine Anwesenheit möglichst reibungslos weitergehen. Der Idealfall ist in meinen Augen ohnehin, dass meine Unternehmen ohne meine Präsenz florieren und ich Eigner und nicht nur Betreiber bin.

Gar nicht dran zu bleiben hat in den meisten Fällen mit Angst zu tun. Die Betreffenden wollen im Urlaub keine schlechten Nachrichten bekommen.

Ich mag zwar auch keine, aber ich habe keine Angst vor schlechten Nachrichten, denn sie gehören zu jedem Leben; auch dem eines Unternehmens. Meist bringt eine schnellere Reaktion jedoch riesige Vorteile und meine vollständige Abwesenheit große Nachteile oder zumindest eingeschränkte Handlungsmöglichkeiten. Deshalb sind Verzögerungen von mir unerwünscht.

Außerdem brauchen wir nach einer Pause ohne Kontakt zu den Dingen wesentlich mehr Zeit und Energie, um überhaupt wieder ins Geschäft zu finden bzw. zu kommen. Ein Zug, der absoluten Stillstand hatte, braucht viel mehr Energie um wieder in Fahrt zu kommen.

Aus diesem Grund habe ich es mir zur Gewohnheit gemacht eine Stunde am Tag mit meiner Arbeit zu verbringen. Nicht mehr, manchmal sogar weniger. Ich bin stets auf dem Laufenden, kann beruhigt meinen Urlaub genießen und weiß um die Erledigung aller wichtigen Dinge. Manchmal reicht schon eine Antwort, dass ich ab mich ab …  der Sache annehme. Jeder hat Verständnis für Urlaubszeiten und freut sich über die trotzdem erfolgte persönliche Antwort.

Ich halte nichts von standartisierten Abwesenheitsmitteilungen, die ich eher als Einladung für Einbrecher betrachte.

Diese eine Stunde am Tag nimmt meinem Urlaub nicht die Erholungsqualität und gibt mir die Gewissheit, daheim einfach weitermachen zu können. Ich brauche keinen Tag oder gar eine Woche, um wieder in den Alltag zu finden, wie ich es oft von anderen höre oder auch in jungen Jahren selbst erfuhr. Sowieso sind meine heutigen Erkenntnisse die Ergebnisse der letzten 30 Jahre als Selbständiger. Seien Sie also gewiss, es handelt sich nicht um die Theorie, sondern wie immer bei mir, um die gelebte Praxis.

Um meinem Geist noch mehr Ruhe zu gönnen, nehme ich neuerdings auch Abstand von den sozialen Netzwerken und habe mein Telefon überhaupt nicht mehr dabei. Meine Familie meckerte einerseits manchmal zu Recht, dass ich stets und ständig bei Facebook und Co. wäre und andererseits stellte ich zuletzt wirklich eine große Ablenkung dadurch fest. Wie schnell sind wir in einer „ruhigen“ Sekunde geneigt mal kurz zu gucken, was bei Facebook los ist. Und wie oft haben Sie schon bemerkt, dass Ihre Gedanken einen ganz anderen Verlauf nahmen. Manchmal sogar für ganz schön lange Zeiträume…

Auch diese Disziplinierung tut mir gut und lässt mich den Fokus auf die Dinge richten, die heute, morgen und übermorgen richtig und wichtig für mich und meine Liebsten sind.

Wir alle wissen, die Konzentration entscheidet. Worauf ich meine Aufmerksamkeit lege, das entscheidet über meine Lebensqualität.

Probieren Sie es aus. Ich wünsche Ihnen viel Spaß und gute Erholung!

 

Ihr Bernd Kiesewetter

Gott spielen „müssen“ – soziale Verantwortungen?!

Die Dinge scheinen oft ganz anders. Wir interpretieren etwas, ohne zu hinterfragen und berauben uns der Erkenntnisse. Doch weit darüber hinaus, geht dies auch zu Lasten des menschlichen Miteinanders und führt zu Voreingenommenheit, Frustration und unnötigen Feindseligkeiten.

Der Berliner Mietermarkt ist derzeit eine Katastrophe für alle.

Vor allem für diejenigen, die momentan auf der Suche nach einer Wohnung sind, scheint die Situation unerträglich. Im Segment 3-Zimmerwohnungen zum Beispiel kommen zur Zeit auf eine Wohnung hunderte von Bewerbungen. Tatsächlich gibt es nur noch Massenbesichtigungen, bei denen dutzende Interessenten zur gleichen Zeit die Wohnung ansehen „dürfen“.

Bei einer solchen Besichtigung sprach mich kürzlich ein Interessent auf diesen Umstand an. Er war scheinbar amüsiert und stellte fest, dass dies für mich und den Eigentümer eine tolle Position sei. Mein verdutztes Gesicht irritierte ihn mindestens genauso wie meine Aufklärung:

 

Diese Situation ist für alle Beteiligten eine Katastrophe!

Es ist keine angenehme Situation, wenn sich Interessenten für eine Wohnung anbiedern (müssen). Wenn sie es tatsächlich tun, ist es eher beschämend.

Die praktischen Abläufe sind alles andere als wünschenswert. Hunderte von Anfragen kosten nicht nur wahnsinnig viel Zeit, sondern überfluten mein Postfach und lassen mich manch wichtige Mail übersehen. Es ist unmöglich jedem Interessenten zu antworten, was wiederum einen schlechten Eindruck von mir und meiner Arbeit vermittelt und sogar zu schlechten Bewertungen in der Öffentlichkeit führt. Es ist mittlerweile unmöglich ohne Massenbesichtigungen zu arbeiten, ebenfalls wieder extremer Aufwand von Energie, Zeit und letztlich kommunikativ und menschlich wenig wertvoll. Papierberge von Bewerbungen machen die Sache nicht besser, dutzende Anrufe, enttäuschte Interessenten und so weiter und so fort….

Doch am Schlimmsten ist es die Frage zu beantworten, wer der geeignete Mieter ist. Sie wird überschattet von der Frage, wem sie am ehesten zusteht.

Einer Eigentümerin platzte der Kragen, als ich sie auf ihre „soziale Verantwortung“ bei der Mieterauswahl ansprach. Sie war genervt von den Sprüchen der sogenannten „sozialen Kälte“ in unserer Gesellschaft. Es entwickelte sich ein Gespräch, aus dem sehr deutlich wurde, dass sie keineswegs gedankenlos handelte.

 

Wer ist der richtige Mieter?

Ist es die Familie, die aufgrund des Raumbedarfs für ihr Kind die Wohnung am ehesten benötigt? Ist es das gutverdienende Paar, was bonitätsstark und nett in das Haus passt?

Oder ist die Topverdienerin, die stetig auf Reisen ist und die Wohnung nicht abnutzt? Warum sollte der alleinstehende Mann, der sein Leben bislang nur der Karriere widmete, nicht auch einen Anspruch auf eine größere Wohnung haben? Vielleicht will er nun eine Familie gründen. Und wenn nicht, warum darf er seinen hart erarbeiteten Luxus nicht ausleben? Sollten wir wirklich über die Wertigkeit seines Daseins entscheiden? Warum ist die Familie zu bevorzugen und wer weiß, wen die Topverdienerin wie unterstützt? Wir müssten sehr gründlich hinterfragen und viel mehr Informationen einholen, als eine Wohnungsbewerbung es hergibt.

Doch warum muss ich dies als Vermieter tun und selbst wenn ich es mache, wer sagt, dass ich mit meinen Annahmen richtig liege?!

Und warum muss ich als Eigentümer für die Versäumnisse des Staates im Wohnungsbau bzw. der Wohnungspolitik „büßen“? Liegt das wirklich in meiner Verantwortung?

Die Eigentümerin des Objektes war jedenfalls wenig begeistert von der Vorstellung, sie müsse die Entscheidungen über Menschenleben treffen und zeigte deutlich ihre Abneigung gegen das „Gott spielen“, wie sie es treffend nannte. Kein vernünftiger Mensch mit Herz und Verstand möchte bei näherer Betrachtung über die Dinge entscheiden.

Wer also auch die Gegenseite beleuchtet, wird sich weit entfernen von der Unterstellung, dass es für die andere Seite bequem und angenehm ist.

Lassen Sie uns auch in anderen Belangen öfter mal hinter die Kulissen schauen.

Väterliche Verantwortung

Als Eltern wollen wir nur das Beste für unsere Kinder.

Zu oft schießen wir dabei allerdings über das Ziel hinaus. Verantwortung zu haben und ihr gerecht zu werden, hat nichts damit zu tun, es den Zöglingen immer recht zu machen. Wir sind geneigt unseren Söhnen und Töchtern ein “besseres” Leben zu ermöglichen. Das haben schon unsere Eltern gewollt. Doch wenn wir genau hinschauen, ist gerade dies nach hinten losgegangen. Denn das sogenannte “bessere” Leben ist unter dem Strich selten besser.

Wo wir zu sehr verwöhnt wurden, sind uns entscheidende Prozesse abgenommen worden. Diese Prozesse sind aber für die Entwicklung sehr wichtig und unser Leben wird geprägt davon. Es entscheidet über gute und schlechte Gewohnheiten und diese bestimmen die Qualität unseres Lebens.

Ein Beispiel: Mein Vater meinte mir einen Gefallen zu tun, indem er mir das Geld für ein neues Auto vorstreckte. Zu viel Gerödel in Form von Reparaturen machten den alten Gebrauchten unattraktiv. Außerdem meinte er, so würde ich wenigstens hinterher etwas “sparen”. Mein Sparverhalten war miserabel und schlichtweg nicht vorhanden.

Diese gutgemeinte Tat hat ein schlechtes Verhalten gefördert und mir letztlich das Leben sehr schwer gemacht. Denn ich lernte, dass man Geld ausgeben könne, was man nicht hat. Dies machte ich mir leider lange zur Gewohnheit und kam aus diesem Teufelskreis nicht mehr heraus.

Viele Jahre waren geprägt von meinem Fehlverhalten und die Qualität meines Lebens, meiner Familie und meiner Geschäfte litten stark darunter.

Ich will nun nicht die Verantwortung für meinen Blödsinn an meine Eltern abschieben, sondern nur darauf aufmerksam machen, dass unser Verhalten als Vater oder Mutter nicht immer so gut ist, wie wir meinen.

 

Wir tun also gut daran, auch mal Konflikte und Frustrationen auszuhalten.

Und wir tun bei der Erziehung gut daran, langfristig zu denken!